Biwak 2001

Verpflegungsaufnahme :-)

Biwak in Zwiesel unter ungewohnter öffentlicher Beachtung

Das Ausbildungsbiwak der Reservistenkameradschaft Wackerstein vom 28. bis 30. September in Scheuereck bei Zwiesel zog ungewöhnliche Aufmerksamkeit Einheimischer und Touristen auf sich. Sonst kaum beachtet, mussten die Kameraden immer wieder auf direkte Fragen dementieren: Nein, unser Biwak hat nichts mit aktuellen Ereignissen zu tun. Vorstand Peter Moosburger erzählt, natürlich sei es schön, wenn die Öffentlichkeit Interesse am Verein zeige, aber die Ursache lasse nicht die Freude aufkommen, die er sonst wohl darüber hätte.

Kameradschaftspflege

Das traditionelle Biwak ist Angelpunkt des Vereinslebens, es geht in erster Linie um Kameradschaftspflege verbunden mit einem Ausbildungsprogramm, das nicht zu letzt Training für diejenigen Kameraden ist, die an Reservisten-Wettkämpfen beispielsweise in Neuburg oder Beilngries teilnehmen. Die Schönbrunner Hütte am Fuße des Großen Falkenstein im bayerischen Wald diente dabei zum wiederholten mal als Unterkunft, organisiert von Heinrich Nirschl.

Eine dienstliche Veranstaltung

Dabei, so erläuterte Vorstand Peter Moosburger, stecke eine Menge Vorbereitungsaufwand hinter so einem Biwak, das mit einem Vereinsausflug nicht zur vergleichen sei. Selbstredend dürfen auch Reservisten nicht ohne Genehmigung Uniform tragen, dazu bedarf es einer Uniformtrageerlaubnis. Diese wir jedem einzelnen in einem Schreiben des Verteidigungsbezirkskommandos (VBK) für eine Veranstaltung erteilt. Die "Zuziehung zu einer dienstlichen Veranstaltung ... im Rahmen der freiwilligen Reservistenarbeit" unterstellt den Reservisten für die Zeit der Veranstaltung dem Soldatengesetz - mit allen Konsequenzen. Es werden Dienstbeginn und -ende festgelegt, ebenso die truppendienstliche Unterstellung, in unserem Fall dem Kommandeur des VBK 65 München. Anzugsordnung, Verpflegung, truppenmedizinische Versorgung, Ausrüstung, alles, wie gesagt, gemäß Soldatengesetz. Nachdem es sich um freiwillige Reservistenarbeit handelt, gibt es keine Geldbezüge, die Unterkunft ist von den Kameraden selbst zu tragen. In der Zuziehung wird ein Leitender benannt, diesmal Vereinsmitglied Hauptfeldwebel Horst Langenfeld, dem die Kameraden während der Veranstaltung unterstellt sind. Der Leitende müsse mindestens im Range eines Feldwebel sein und, so der Vorstand weiter, die RK Wackerstein sei glücklich in den eigenen Reihen Kameraden zu haben, die diese Voraussetzung erfüllten, denn es sei nicht leicht jemanden zu finden der die Verantwortung übernähme.

Der Dienstplan

Eine dienstliche Veranstaltung werde nicht "einfach so" genehmigt, bereits ein Jahr vorher müsse ein detaillierter Übungsablauf dem Feldwebel für Reservistenarbeit (FwRes) vorgelegt werden: Übungsbeginn, Abmarsch, Verpflegung, Zapfenstreich, Wecken, Antreten, Ausbildungspunkte, Rückmarsch, nichts fehlt, ein richtiger Dienstplan eben. Dabei müssen die Ausbildungspunkte genau ausgearbeitet als Anlage beigefügt werden, so für einen Marsch eine Karte, in der der exakte Weg eingezeichnet ist. Die liegt dann bei FwRes und VBK auf - schließlich müssen die Vorgesetzten wissen, wo die Truppe gerade ist. Im Laufe so einer dienstlichen Veranstaltung steht dann schon mal ein Offizier des VBK an einer Wegkreuzung und schaut, ob der Dienstplan eingehalten wird. Bisher habe, so der Vorstand, die RK Wackerstein immer gut ausgesehen bei solchen Besuchen, worauf man stolz sei - Vorgesetzte meldeten sich schließlich nicht vorher an.

Wer jetzt aber schließe, bei so einem Biwak herrsche Kasernenton, der irre, da würd´ auch keiner mitmachen, erklärt ein Teilnehmer. Der Umgang ist betont kameradschaftlich. Es sind ja alle freiwillig hier und es soll Spaß machen. Entsprechend wählt Vorstand Moosburger die Ausbildungspunkte, "Einweisung Karte-Kompass" ist obligatorisch, weil für den über 15km führenden Orientierungsmarsch in Zweiertrupps notwendig. Ein Leckerbissen war die Einweisung in das neue Navigationssystem der Bundeswehr durch Felix Marx, welches auf GPS basiert, einem satelitengestützten System. Weiter stand auf dem Übungsplan Alarmposten, Selbst- und Kameradenhilfe, Leben im Felde, Gefangennahme nach Kriegsvölkerrecht und noch mal Marschieren, diesmal nach eigener Wegskizze und wie immer mit Gepäck und Ausrüstung. Zwischendurch Ausbildungsstationen und Einlagen, langweilig wird es nie

Hervorragend verpflegt

Der Verpflegung wird in der RK Wackerstein traditionell hoher Wert beigemessen, "wenn die passt, passt der Rest auch". Da etliche Vereinsmitglieder passionierte Köche sind, findet sich gerne einer, der für die Kameraden was zaubert, Chefkoch auch diesmal Alfons Schatzl. Zum Frühstück gab´s Eier mit Speck und Zwiebel, von letzteren, meinte er schmunzelnd, habe er 15 Kilo verarbeitet.

Alte und neue Geschichten

Der "persönliche Zapfenstreich", so war aus der Runde zu vernehmen, sei im Allgemeinen deutlich nach Mitternacht gewesen. Die Truppe war diesmal 25 Mann stark und es fanden sich wie immer "neue" darunter, die auch neue Geschichten aus ihrer "Barras-Zeit" mitbrachten und andererseits einen dankbaren Zuhörerkreis für die der "alten" bildeten. Oberbootsmann Frank Funke beispielsweise hat es dienstlich nach Bayern verschlagen, er suchte Anschluss und wurde vom Reservistenverband an die Wackersteiner verwiesen, wo er gerne aufgenommen worden sei und die so in den kurzweiligen Genuss von Seemannsgarn kamen. Vorstand Moosburger zieht eine sehr positive Bilanz, alle hatten Spaß und so plant er schon für nächstes Jahr, es wird wieder ein Biwak geben, Ideen gibt´s genug.